20/10/2018

Lesestapel #1: Schöne und böse UX

Was habe ich diese Woche gelesen? Eine Auswahl meiner Empfehlungen.

👉 Meet The Illustrator Diversifying Airbnb’s Image (Wired.com)

Ich bin Fan von Illustrationen. Sie geben dem Gestalter völlige Freiheit. Emotionen, Farben, Situationen lassen sich komplett auf CD/CI anpassen. Man ist nicht angewiesen auf Stock Images (die Hölle) oder Shootings (teuer). Illustrationen (und Animationen) sind die großen Trends, insbesondere im B2B- und Tech-Bereich. Wie kann man einem digitalen Produkt ein Gesicht geben? Richtig, mit Illustrationen. Der Artikel beschreibt, wie AirBnB seine Illustrationen optimiert, in dem es menschlichere, diversere Darstellungen wählt.

👉 Dark Patterns

Viele UX-Designer fühlen sich besonders clever, wenn sie Dark Patterns benutzen. Was sind Dark Pattern?

Dark Patterns are tricks used in websites and apps that make you buy or sign up for things that you didn’t mean to. The purpose of this site is to spread awareness and to shame companies that use them.

Was dabei nicht beachtet wird: Wer einmal den Nutzer betrügt, verliert sein Vertrauen und damit einen Kunden. Die Seite stellt gängige Dark Patterns vor und hat eine sehenswerte Hall of Shame”.

👉 The rise of Anti-Notifications

Passend zu Dark Patterns sind Anti-Notifications. So nennt Adrian Zumbrunnen eine neue Art von Notifications, die uns sinnlos unter Stress setzt und keinen echten Mehrwert bietet. Es sind Benachrichtigungen, die sich nicht wirklich um uns drehen, sondern die uns nur in einen Stream ziehen möchten. Aber lest selbst!

👉 Bauhaus- Tasse Spüllappen Café Gürtel Museum Stadt Restaurant Geht’s noch? (zucker-magazin.de)

Das Bauhaus feiert 100-jähriges Jubiläum und ist zu einem Kitsch, einer Marketing-Strategie verkommen. Und es wird allerorts mißverstanden. Ein lesenswerter Artikel und auch ein sehenswertes neues Magazin. Schöne Gestaltung, erinnert ein wenig an eine deutsche Version von The Outline.

👉 The Battle for the Home (Stratechery)

Ben Thompson ist immer eine Leseempfehlung. In seiner Analyse des Smart Home-Marktes vergleicht er das Potential der großen Player und kommt zu einem interessanten Fazit.

Habt ein schönes Wochenende!

Lesestapel
30/9/2018

Peak Smartphone

Mein iPhone meldet sich jetzt regelmäßig bei mir, um anzuzeigen, wie viel Zeit ich mit dem Gerät verbringe. Es wirkt wie eine Warnung. Meine Zigarettenschachtel macht das selbe oder der Beipackzettel beim Nasenspray. Das Gerät warnt vor sich selbst, Smartphone-Nutzung ist ein Laster geworden. Zerlegt sich das Smartphone als Produkt gerade selbst?

Mit dem Smartphone kam die Always-on-Gesellschaft. Vernetzt und erreichbar ist das Internet in alle Lebensbereiche vorgedrungen. Der Träger war und ist das Gerät in unserer Tasche.

What a machine!

Schaut man sich heute um, egal ob im Zug, einer Bar, einem Konzert, eine Party oder auf einer belebten Straße. Die Szene ist immer gleich: Menschen starren auf ihre kleinen, individuellen Screens. Selfies machen, Maps checken, Nachrichten schreiben — oder einfach gedankenverloren in Timelines scrollen. Es gab selten ein vergleichbares Massenphänomen (vielleicht die Erfindung des Buchdrucks oder des Fernsehens), die unsere Aktivitäten in wenigen Jahren komplett umgewälzt hat.

Das Smartphone steht im Zentrum dessen, weil es das erste Gerät ist, was Mobilität und Konnektivität massentauglich gemacht hat. Es hat uns smarter, informierter, populärer gemacht. Wir haben nie so viele Möglichkeiten gehabt. Eine aktuelle Studie der University of Derby kam zu dem Ergebnis, dass 13 Prozent von uns abhängig vom Smartphone sind und 3,6 Stunden täglich mit dem Gerät verbringen. Wir können mehr von überall erledigen und haben letztlich doch weniger Zeit für irgendwas. Apple und Google warnen uns jetzt — vor uns selbst.

Aber die kleinen Geräte in unserer Tasche haben sich selbst überlebt. Sie sind letztlich eine Krücke, die zwar unsere Gesellschaft grundlegend verändert hat, aber dieser Veränderung nicht mehr hinterherkommt. Ein kleiner Screen in einem kleinen Gerät mit begrenzter Akkuleistung kann nicht die optimale Lösung sein. Es ist nur ein erster Schritt zur Cyborgisierung der Menschen. Smartphones machen uns zu besser funktionierenden Individuen: Der Speicher im Gerät vergisst nichts, es hat Zugriff auf eine riesige Menge an Informationen, die wir im menschlichen Gehirn nie speichern könnten. Es ist fast ein verlängerter, technischer Bestandteil unseres Körpers geworden. Letztlich aber eben immer noch eine Krücke.

Der Mensch wird sich immer mehr mit künstlicher Intelligenz bestärken können, wir werden dafür aber keine kleinen Geräte mehr benötigen. Der menschliche Cyborg ist heute schon Realität, aber das Smartphone wird bald von der Entwicklung überholt werden.

Tech
22/5/2018

Wenn Nachrichten dich nicht nur in den Schlaf verfolgen

Wir haben hitzige zwei Monate hinter uns. Zuckerberg musste wegen Cambridge Analytica vor dem Senat aussagen, das europäische Datenschutzgesetz (DSGVO) tritt in wenigen Tagen in Kraft. Alle sind verwirrt, wie kann man Google und Facebook regulieren einerseits und andererseits gerät der Mittelstand (obwohl vor zwei Jahren beschlossen) wegen der Auswirkungen der DSGVO in Panik. Beides Themen, die auch die Medien in den letzten Wochen bestimmt haben. Aber wie sieht es eigentlich mit Datenschutz und den Nachrichtenseiten selbst aus? Ziemlich übel.

14749768972_7b96d22595_b Zahlreiche kleine Spione, die den Seitenbesuchern auflauern.

Sammeln ist eine Sache, aber wieso über Drittanbieter?

Ruft man Politico.com auf, wird man von über 30 Trackern begrüßt. Der Großteil dient der Ausspielung von Anzeigen. Focus Online kommt auf den Artikelseiten auf eine ähnliche Menge. Tagesschau.de begrenzt sich hingegen auf nur drei. All diese Tracker erfüllen unterschiedliche Aufgaben:

  • Werbung und Marketing
    • Erkennen und Aufbauen von Nutzerprofilen
    • Targeted Ads ausspielen
    • Den Nutzer von einer zur nächsten Seite verfolgen
  • Statistiken zur Besuchermenge, Herkunft, Lesezeit, Standort…
  • A/B Testings tracken (verschiedene Varianten der Website werden an unterschiedliche Leser ausgespielt)
  • Sharing/Like-Funktionen für Social Media
  • Externes Content Hosting (zum Beispiel bei AWS)

Die Situation 2015: Nicht gut

Frederic Filloux1 hat sich vor drei Jahren mal die Mühe gemacht und verschiedene Nachrichtenseiten auf Tracker untersucht. Das Ergebnis: Die 20 untersuchten Seiten enthielten insgesamt 516 Tracker von etwa 100 unterschiedlichen Anbietern. 60 Prozent davon sind für Werbezwecke (hauptsächlich von Google und Facebook). Durchschnittlich 30 Tracker pro Seite.

1-UIsTDYibmsQkMc3xwgrNHg Eine unübersichtliche Zahl an Drittfirmen. Kann man denen allen vertrauen? (Grafik von Frederic Filloux, MondayNote.com)

Was Filloux dabei am meisten überrascht hat, viele der Dienste doppeln sich in ihren Funktionen:

When you look at each of their mission statements, you see a huge overlap in functionalities. […] This kludge of trackers reflects more desperate moves than thoughtful strategies.

Es scheint, als hätten die Verleger den Überblick verloren oder es mangelt an Prinzipien und Kontrolle. Ich habe vollstes Verständnis, dass eine Nachrichtenseite Informationen über die Nutzer erlangen möchte, um ihr Produkt zu optimieren, den Leser zu verstehen und passende Werbung auszuspielen. Aber wer kann denn bei dieser Vielzahl an Drittanbietern für den Schutz der Leserdaten garantieren? Das scheint mir nicht möglich und ist ein Skandal, weil die Publisher dafür die Verantwortung tragen sollten.

Die Situation 2018: Noch schlimmer

Man möchte meinen, die Lage hat sich seit dem Facebook-Debakel und den drohenden Konsequenzen mit der DSGVO verbessert?

In einer aktuellen Studies des Reuters Institutes wurden 500 populäre Websites und auch speziell Nachrichtenseiten in Europa auf Tracker und Dritt-URLs untersucht. Interessant daran: Hier müssten die Auswirkungen der DSVGO bereits spür- und messbar sein. Nützlich ist auch der Vergleich zu normalen”, populären Websiten. Wie schneiden hier die Nachrichtenseiten speziell ab?

image Klare Ergebnisse im Vergleich von Nachrichtenseiten und sonstigen Seiten.

Der Unterschied ist gravierend und es ist deutlich, dass Nachrichtenseiten ein besonderes Interesse am Datensammeln haben. Ein erwartbares Ergebnis, verfolgen Nachrichtenseiten in aller Regel kommerzielle Interessen. Dennoch: Durchschnittlich 40 Cookies und 81 Anfragen an Drittanbieter2? What the fuck, das kommt einem einfach sehr übertrieben vor. Oder besser gesagt: außer Kontrolle geraten.

Die Studie unterteilt auch weiter nach Ländern. Hier ist auffällig, dass Großbritannien die meisten Tracker einsetzt, während Deutschland mit 64 Cookies am unteren Ende platziert wird. Und eine weitere Unterscheidung: Angebote wie Tagesschau.de oder die BBC sind wesentlich sparsamer, am schlimmsten treiben es die Boulevard-Medien wie der Daily Mirror (246 Cookies) oder die Bild-Zeitung (47 Cookies).

Bleibt die wichtige Frage bei all dieser Masse an Trackern: Wofür werden sie eingesetzt und bei wem landen diese Daten letztlich? Die Erkenntnisse decken sich hier zum Teil mit der älteren Untersuchung von Filloux.

tracker-content Für mich etwas überraschend: Die Mehrheit wird für Analytics eingesetzt.

Die Mehrheit der Tracker werden zum Messen der Besucher eingesetzt. Hier kommt übrigens Google Analytics auf atemberaubende 74 % Anteil. Generell ist Google das Unternehmen, das mit Abstand am meisten mit seinen unterschiedlichen Diensten eingesetzt wird. Danach folgen Facebook und Amazon. Unter den Top 10 der Drittanbieter sind übrigens alle US-amerikanische Anbieter.

Eine komplizierte Situation für Publisher. Oft fehlt auch die Technologie aus dem eigenen Haus, entsprechend ist man abhängig von Drittanbietern. Ignorieren können sie die DSGVO allerdings nicht, zu dem Schluss kommt auch die Reuters-Studie:

Taken together, these passages indicate that third- party web content may face several obstacles under the GDPR. First, third-party content exposes IP addresses and often results in the transmission of cookie data, potentially putting it within the law’s scope. Second, because browsers download third- party content without user interaction, it is often not transparent to users what is happening, raising the need for clear notification whenever data is collected, shared, and stored. Third, for user data to be processed lawfully, consent may be needed.

It’s fucked up. Wie kann es besser werden?

Nachrichtenseiten sind — genauso wie Facebook — Teil des Überwachungsgeschäfts. Natürlich kann man den Fall Cambridge Analytica nicht direkt vergleichen. Dort wurden Daten verkauft und zur Manipulation der Öffentlichkeit und der Demokratie genutzt. Letztlich ist es aber beides eine (zumindest potentielle) Verletzung des Persönlichkeitsrechts — und eine Sünde bleibt eine Sünde.

16050621833_f374931eee_o Welche Medizin könnte wirken?

Es gibt noch immer Werbeformen, die nicht auf wahllos gesammelte Datenmengen angewiesen sind. Diese sollten von allen Medien auch eingesetzt werden, die sich selbst kritisch zu Google und Facebook äußern. Die DSGVO muss nun Zähne zeigen und empfindliche Strafen aussprechen — und dann muss das System der Online-Werbung generell gefixt werden: Es ist eine Gefahr für die Pressefreiheit und ein leidiges Thema seit Jahren.


  1. Dessen exzellenten Newsletter Monday Note” ich bereits mal an dieser Stelle empfohlen habe!

  2. Die Studie widerspricht sich an dieser Stelle allerdings. Im Fließtext ist die Rede von 40 third party requests” und 83 Cookies. Das scheint aber nur ein formaler Fehler im Text zu sein.

Medien Tech
19/5/2018

Subscription Hell

Meine monatliche Kreditkartenabrechnung wird immer unübersichtlicher. Hier ein paar Euro, dort ein paar Euro, die monatlich, quartalsweise oder jährlich für Content, Apps, Newsletter, CarSharing und so weiter abgebucht werden. Selbst mein Kaffee kommt über ein Abonnement. Jeder dieser Dienste kostet kaum mehr als ein Latte Macchiato bei Starbucks (was auch gerne als Marketing-Argument benutzt wird), aber mittlerweile sind das eine ganze Menge Lattes im Monat. Sind wir in der Subscription Hell angekommen, in der Kunden keine Einmalzahlungen mehr machen und generell für so viele Dinge im Web zur Kasse gebeten werden, die früher einfach gratis waren?

Coffee to Go Photo by Charles Koh / Unsplash

Danny Crichton von Techcrunch sieht das so. In seinem kürzlich veröffentlichten Artikel schreibt er:

I’m frustrated that the web’s promise of instant and free access to the world’s information appears to be dying. I’m frustrated that subscription usually means just putting formerly free content behind a paywall. I’m frustrated that the price for subscriptions seems wildly high compared to the ad dollars that the fees substitute for.

Die Aussagen spiegeln ganz typische Vorbehalte von vielen Internetnutzern aktuell wider. Das behaupte ich jetzt mal. Und natürlich, in den letzten zwei Jahren hat sich viel verändert, plötzlich wird man im Netz an vielerlei Orten zur Kasse gebeten.

Einen großen Aufschrei hat es letztes Jahr gegeben, als die beliebte App Ulysses auf ein Abo-Modell umgestiegen ist. Adobe macht es mit der Creative Suite schon länger und bei Content ist es eine regelrechte Welle an Publishern, die Pay Walls hochziehen.

Ich habe mittlerweile das Gefühl, dass sich drei Geschäftsmodelle” immer mehr durchsetzen:

  1. Dienste, die mit unrealistisch niedrigen Gebühren Wachstum simulieren (Amazon Prime, MoviePass…).
  2. Dienste, die von Ads auf Subscription umsteigen (und meist als zu teuer wahrgenommen werden)
  3. Dienste, die immer noch das dirty Ad Business rocken möchten

Crichton schreibt weiter:

We not only get paywalls where none existed before, but the prices of those subscriptions are always vastly more expensive than consumers ever wanted.

Das hört sich wie ein bockiges Kind an. Sorry, aber das Web ist noch recht jung, eigentlich wird es gerade erwachsen. Das hat Vor- und Nachteile. Der Vorteil: Es wird nicht mehr als ein Kanal der Zweitverwertung angesehen. Der Nachteil: Es wird kommerziell, es muss finanzieren.

Screen-Shot-2018-02-14-at-3.22.13-PM In den USA kostet ein Digitalabo für Zeitungen durchschnittlich 2,31$/Woche. In Deutschland dürfte es aber deutlich mehr sein.

In einem Punkt hat Crichton aber Recht. Die Geldbeutel der Nutzer sind begrenzt. Wenn immer mehr Dienste ihre monatlichen Starbucks” abrechnen wollen, wird es eng. Haben wir früher uns bei allem registriert, was nicht bei Drei auf dem Baum war (kostet ja nichts), überlegen es sich die Nutzer heute gründlich. Man muss sich auf eine Zeitung beschränken, ein Streamingportal und vielleicht nur eine App für Notizen oder To-Do-Lists. Das ist letztlich aber nur ganz normaler Wettbewerb.

Das Web entwickelt sich von einer dunklen Gasse, in der man nie wusste, was hinter der nächsten Ecke lauert (meistens ein Ad) zu einem transparenteren Ort (was die Geschäftsmodelle betrifft) bei dem man bewusst Entscheidungen als Konsument treffen muss.

Medien UX
5/5/2018

4 Prinzipien für die Konzeption digitaler Produkte

Digitale Produkte und Services sind — im Vergleich zur analogen Welt — einfacher und komplexer zugleich. Einfacher, weil man mit einem Laptop und Internetverbindung sie von jedem Ort zu jeder Zeit erstellen kann. Man kann sie jederzeit anpassen, ausbauen, relaunchen. Man kann Kopien anlegen, Schnittstellen integrieren und mit einer einzigen Code-Basis für die verschiedensten Endgeräte und Touchpoints optimieren. Digitale Produkte können ohne Probleme von 10 zu 100.000 Nutzern skalieren. Noch nie konnte die Menschheit so einfach nützliche Werkzeuge und Dienste produzieren. Das ist letztlich auch der Grund, warum in den letzten 20 Jahren das Phänomen der Startups so populär geworden ist.

Aber es ist auch eine komplexe Welt geworden. Alles ist mit allem verbunden. Digitale Produkte sind immer im Kontext zu betrachten, nie isoliert. Früher hat man eine Maschine gebaut, die hat man in einen Raum gestellt und einen Menschen diese bedienen lassen. Hat sie gut funktioniert, musste man sie nur ab und an etwas ölen, mal ein Verschleissteil austauschen.

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Digitale Produkte bauen hingegen immer auf verschiedensten Technologien auf, die sich permanent entwickeln. Letztlich wird das Produkt ständig angepasst und tauscht sich in regelmäßigen Abständen komplett aus. Auch die Geschäftsmodelle können dank der niedrigen Entwicklungs- und Wartungskosten, der Skalierung, ganz andere Formen annehmen. Wir haben mächtige Produkte, die nie Gewinne erwirtschaftet haben, aber dennoch unglaublich viel Wert sind.

Genau das macht den Reiz für mich aus, wenn ich bei i22 konzeptionell an Entwicklungen mitwirke1. Mittlerweile habe ich mir einige Prinzipien angeeignet, die sich mal mehr und mal weniger sinnvoll anwenden lassen.

1. Ein Konzept ist begründbar

Jedes Konzept muss begründbar und plausibel sein. Das unterscheidet es von Kunst. Kunst muss nicht begründet werden, sie muss nur ansprechen. Konzeption, die zwar durchaus Kreativität erfordert, ist letztlich aber eine rationale Herleitung. Was nicht begründbar ist, ist beliebig und sollte dann im Zweifel weggelassen werden.

2. Ein Konzept muss nicht erklärt werden

Sieht auf den ersten Blick wie ein Widerspruch zu Punkt 1 aus, aber nur weil etwas begründbar sein sollte, sollte es im besten Fall dennoch selbsterklärend sein. Wenn ich gegenüber dem Kunden 2 merke, dass ich bei der Erklärung weit ausholen muss, dann wird das Konzept nicht funktionieren. Letztlich arbeiten wir für den Endkunden, der wenig Geduld hat und sicherlich nicht auf einer Meta-Ebene ein Konzept gutheißen wird. Für ihn muss es funktionieren. Und alles, was erklärungsbedürftig ist, ist nicht einfach genug.

3. Ein Konzept stellt den Nutzer in den Mittelpunkt

Das Prinzip knüpft an Punkt 2 an. Alles, was in einer Agentur produziert wird, ist letztlich für einen menschlichen Anwender gebaut. Nicht für eine Award-Jury, nicht für einen Ansprechpartner beim Kunden, nicht fürs Papier und nicht für den Chef. Generell sind zwei Skills für einen Konzepter unerlässlich: Breites Wissen über den Markt und Empathie für menschliches Verhalten. Letzteres muss immer wieder in den Fokus gestellt werden, bei jedem Zwischenschritt, bei jeder Entscheidung.

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4. Ein Konzept ist Architektur

Der Vergleich zur klassischen Architektur, der Mutter aller Künste”3, passt wie die Faust aufs Auge. Die selben Kriterien lassen sich für das Entwerfen von Digitalprodukten anwenden: Sie müssen stabil, nützlich und ansprechend sein. Ein Bauwerk muss sich seinem Anwendungszweck (ist es eine Schule, ein Wohnhaus oder ein Bunker?), dem Bewohner selbst (Innenperspektive) und der Umgebung (Außenperspektive, Nachbarn, Natur und Stadtplanung) anpassen. Dörfer, Städte oder Regionen sind die ältesten von Menschenhand gemachten Ökosysteme. Architektur muss deswegen immer im vernetzen Kontext gesehen werden. Eine ganz ähnliche Entwicklung hat uns das Internet im digitalen Raum beschert.


  1. Man könnte es auch UX-Design nennen, aber ich finde es gehört mehr dazu.

  2. Ich arbeite bei einer Agentur, es sind also in der Regel Unternehmen und nicht Endkunden.

  3. Ein Zitat, das dem römischen Architekten Vitruv nachgesagt wird.

UX
18/3/2018

Meine technischen Tools, meine Philosophie

Die Zeiten sind vorbei, als ich fast keinem Download-Link widerstehen konnte. Ich habe installiert, probiert, kaputtgemacht und wieder runtergeworfen. So lernt man, aber es kostet auch Zeit und mittlerweile versuche ich auf wenige Tools und Services zu setzen. Dahinter steckt der weniger ist mehr-Gedanke”, aber mittlerweile ist mir der Workflow auch wichtiger. Damit meine ich, dass ich ein Setup möchte, das möglichst gut zusammenarbeitet und wenig Pflegeaufwand erfordert.

Dazu ein paar Vorbemerkungen, die meine Auswahl grundsätzlich beeinflussen.

It’s an Apple world

Ich bin tief verwurzelt im Apple-Ökosystem. Angefangen mit Windows (95, 98, ME, XP) habe ich mehrere Jahre auf Linux gesetzt (Debian, Ubuntu). Erinnert ihr euch noch an die großartigen IBM Thinkpads? Diese in Kombination mit einem robusten Linux-System waren ein großartiges Setup. Ich habe die Dinger geliebt (insbesondere die portable X-Serie). Und Linux war ein Bastelparadies.

Doch die freie Zeit zum Fixen und Probieren wurde weniger — und vor allem kam das iPhone. Plötzlich war da ein neues Device, das neben dem Laptop einen weiteren Computer darstellte. Ab sofort war es für mich wichtig, dass diese zwei Geräte auch miteinander funktionieren und mein erster Mac (iMac mit Snow Leopard) kam ins Haus. Seitdem bin ich tief verwurzelt in iCloud, iTunes, iMessage usw. Die Symbiose aus Hard- und Software aus einer Hand ist bis heute überlegen. Und es ist unkompliziert: Setze ich Macbook oder iPhone neu auf, muss ich nur die iCloud anwerfen und wie von Geisterhand lädt er Fotos, Notizen, Mails, Termine, Passwörter, Lesezeichen, Files, Apps und Musik auf das Gerät. Eine komplette Neuinstallation (Clean Install) ist somit innerhalb von zwei Stunden möglich. Früher war das gerne mal ein kompletter Tag Arbeit.

Analog siegt oft

Ein weiterer wichtiger Aspekt: Ich versuche eigentlich so wenig Technik wie möglich in meinem Alltag zuzulassen. Das ist paradox, beschäftige ich mich doch beruflich jeden Tag mit Technik, blogge in der Freizeit darüber und würde mich als sehr technik-affin bezeichnen. Aber genau das ist der Punkt. Ich möchte mich nicht überfrachten und wer sich intensiv mit einer Materie beschäftigt, der ist genauso begeistert wie auch skeptisch.

obsolete_technology_2x xkcd — Creative Commons Attribution-NonCommercial 2.5 License.

An technischer Hardware zuhause besitze ich genau drei Dinge: Macbook Pro, iPhone 6s, AppleTV. Diese drei Geräte decken alle Use Cases ab, die für mich relevant sind. Konnektivität mit dem iPhone, Arbeiten mit dem Macbook und entspannen mit dem AppleTV. Komplett analog sind hingegen: Zahnbürste, Armbanduhr, Rasierer, Notizbuch. Okay, ich habe auch ein paar Küchengeräte. Aber selbst da ist mir der Siebträger lieber als ein Vollautomat. Nennt mich Purist, Hipster, konservativ oder was auch immer. Aber wenn ich sehe, was bei der CES für ein Ramsch auf den Markt geworfen wird, würde ich mir mehr Skepsis bei Journalisten und Verbrauchern wünschen.

Anyway. Wie sieht also mein Setup aus?

Hardware & Software

Im Mittelpunkt steht mittlerweile das iPhone. Zumindest privat. Mein Laptop bleibt meistens in der Agentur, mein iPhone ist in erster Linie zur Kommunikation (iMessage, WhatsApp, Email und Telefonieren), aber auch für meine morgendliche Newsletter-Lektüre. Ich schreibe ungern längere Texte auf dem iPhone, Screen-Tastaturen und Ich wurden nie richtig warm miteinander. Ansonsten möchte ich nicht mehr auf Apple Music und Podcasts verzichten, hauptsächlich im Auto auf dem Weg zur Arbeit.

IMG_0046 Mein aktueller Home Screen, iPhone 6s.

Meine meistbenutzten Apps sind eigentliche alle Stock-Apps. Ich nutze fast nie Drittsoftware, wenn sie nicht einen erheblichen Mehrwert bietet. Also: Kalender, Notes, Apple Mail, Wetter, Erinnerungen. Ziemlich langweilig, aber zuverlässig und immer bestens mit dem Macbook/AppleTV synchronisiert. Man sollte sich das Leben nicht unnötig schwermachen. Die New York Times App ist übrigens nur ein Link zur Website. In News Apps habe ich eigentlich noch nie einen Vorteil gesehen, außer dass sie nervige Notifications senden. Auch die Workout App ist übrigens nur eine Web App. Simpel, benötigt keine Updates, was will man mehr.

Am interessantesten sind für mich Apps, die den mobilen Charakter eines Smartphones unterstützen. Ich möchte keine Pendants zur Desktop-Version auf dem iPhone haben, weil es in 99 % der Fälle sinnvoller ist, die App dann auch direkt auf dem Laptop/Desktop zu nutzen. Sinnvoll sind aber Apps, die mir helfen von A nach B zu kommen: Bahn Navigator (ich vermeide es allerdings mit der Deutschen Bahn zu fahren, leider ein Steinzeitunternehmen), MyTaxi und die VRS für den regionalen Verkehrsverbund in Köln. Sobald man mit dem Navigator aber auch Einzeltickets im Regionalverbund kaufen kann, fliegt die VRS App vom Handy [Update 05/2018: Ist passiert.].

Beruflich steht das Macbook im Mittelpunkt. Eigentlich ein perfektes Gerät: Retina Screen, angenehme Tastatur und das beste Trackpad auf dem Markt. Ich habe nie verstanden, warum Windows Laptops kein gescheites Trackpad hinbekommen. Aber vielleicht hat sich das mittlerweile auch gebessert. Auf Zubehör zum Macbook verzichte ich völlig. Kein externer Screen, keine Maus, keine Tastatur. Mein Motto ist small screen productivity und ein Laptop ist nunmal ein portables Gerät. Für mich macht es keinen Sinn, wenn ich erst fünf Stecker rausziehen muss, wenn ich vom Schreibtisch aufs Sofa wechsel.

An Software setze ich analog zum iPhone auf die vorinstallierten Apple-Produkte. Ansonsten ist iA Writer das Schreibwerkzeug meiner Wahl. Ein (sehr guter) Font, iCloud-Synchronisation, Markdown, sehr gutes File Management und PDF/Word-Export. Mehr brauche ich nicht. Zur Hölle mit Word.

iA-Writer-Syntax-Control-c iA Writer: Was braucht man mehr?

Generell bin ich kein Fan von Microsoft Office, deswegen darf auf der Liste auch meine Powerpoint-Alternative Deckset nicht fehlen. Ich konzentriere mich gerne auf den Inhalt und mag Software, die mir nicht zu viel Spielraum beim Rumspielen mit der Optik erlaubt. Mit Deckset lassen sich Präsentationen mit Markdown bauen. Keine Pixel-Schubserei, einfach Wörter und Grafiken reinwerfen, um den Rest braucht man sich nicht zu kümmern. Auch hier ist der Workflow übrigens entscheidend. Ich kann die Präsentation mit iA Writer schreiben, Deckset übernimmt automatisch und in Echtzeit die Konvertierung in ein schönes Template. Ein tolles Produkt aus einer deutschen Software-Schmiede!

(Software as a) Service

Neben meinen Nachrichten-Abos (NyTimes und Spiegel Print, die gelten aber wohl eher als Content as a Service) darf natürlich Ghost nicht fehlen. Auch hier steht der Markdown Support im Vordergrund. iA Writer ist meine zentrale Anlaufstelle für Content: Dort liegen Blog Posts (die in Ghost kopiert werden), Präsentationen (die von Deckset gebaut werden) und eigentlich alle Texte, die ich beruflich wie privat verfasse.

Der Domain Registrar meiner Wahl ist übrigens I Want My Name. Ich mag einfach Anbieter, die sich auf eine Sache konzentrieren und diese simpel und professionell umsetzen. Die üblichen Hosting-Anbieter haben furchtbare Websites aus dem letzten Jahrtausend und ein unüberblickbares Angebot an Tarifen und Diensten. Mache eine Sache, aber mache sie richtig.

Google spielt bei mir eigentlich keine Rolle, außer die obligatorische Google Suche. Meine Mails, Kalender und Kontakte laufen, wie gesagt, über iCloud. Im Job muss ich leider Office 365 nutzen, mehr schlecht als recht. Trello ist noch ein Dienst, den ich gerne auf Projektbasis einsetze. Für mich ist die Kartenansicht die Essenz von einfacher Organisation. Visuell, simpel und für jeden verständlich.

Dienste, die mir am Herzen liegen, die ich aktuell aber nicht benötige: Dropbox (nach wie vor die beste, einfachste File-Synchronisation), Fastmail (der wohl beste Mail-Anbieter), Basecamp (tolles, durchdachtes Produkt und ein inspirierendes Unternehmen).

Soweit meine Übersicht. Ziemlich wenige Tools für einen Tech-Nerd. Aber so funktioniert es für mich (aktuell) am besten. Keep it simple, stupid ¯_(ツ)_/¯.

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